Kapitel 27

Kapitel 27

Die Entwicklung des elektronischen Geschäftsverkehrs (E-Commerce) im Jahrzehnt 2010–2020

Im Jahrzehnt 2010–2020 setzte der elektronische Handel (E-Commerce) nicht nur sein Wachstum fort, sondern entwickelte sich auch erheblich weiter und diversifizierte sich, wurde zu einer dominierenden Kraft in der Einzelhandelslandschaft und veränderte die Kaufgewohnheiten der Verbraucher grundlegend.

27.1 Das unaufhaltsame Wachstum und die Reifung des Marktes:

Der Wachstumstrend des E-Commerce, der sich bereits im letzten Jahrzehnt abzeichnete, beschleunigte sich im Zeitraum 2010–2020 weiter. Der Anteil des E-Commerce am gesamten Einzelhandelsumsatz nahm stetig zu und erreichte insbesondere gegen Ende des Jahrzehnts deutliche Spitzenwerte. Der Markt wurde reifer, etablierte Unternehmen verfeinerten ihre Online-Strategien und es entstanden neue Player mit innovativen Geschäftsmodellen. Das Vertrauen der Verbraucher in den Online-Einkauf wuchs weiter, angetrieben durch Verbesserungen bei Sicherheit, Benutzerbewertungen und Rückgaberichtlinien.

27.2 Die Explosion des mobilen E-Commerce (M-Commerce):
Einkaufen auf Knopfdruck

Der wahre Treiber des E-Commerce-Wachstums in diesem Jahrzehnt war die Explosion des mobilen E-Commerce (M-Commerce) . Die massive Verbreitung von Smartphones und Tablets, gepaart mit immer schnelleren mobilen Internetverbindungen (dank 4G/LTE), machten Online-Shopping überall und jederzeit zugänglich.

Unternehmen konzentrierten sich zunehmend auf die Entwicklung von Mobile-First-Erlebnissen und dedizierten Shopping-Apps , die für kleinere Bildschirme und Touch-Interaktionen optimiert sind. Mobile Zahlungslösungen wurden sicherer und bequemer und erleichterten Transaktionen über das Smartphone.

27.3 Personalisierung und Benutzererfahrung im Zentrum:

Im Jahrzehnt 2010–2020 verlagerte sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Personalisierung des Online-Einkaufserlebnisses. Unternehmen begannen, Analysen der Benutzerdaten, ihrer Vorlieben, ihrer Kaufhistorie und ihres Surfverhaltens zu nutzen, um relevantere Produktempfehlungen, gezielte Werbeaktionen und ein personalisierteres Einkaufserlebnis anzubieten. User Experience (UX) wurde zu einem entscheidenden Element für den Erfolg, wobei der Schwerpunkt auf einfach zu navigierenden Websites und Apps, schnellen und einfachen Checkout-Prozessen und einem effizienten Multi-Channel-Kundenservice lag.

27.4 Der Einfluss von Social Media auf den E-Commerce (Social Commerce):
Wenn Einkaufen sozial wird

Soziale Medien begannen sich immer enger mit dem E-Commerce zu verknüpfen, was zum Phänomen des Social Commerce führte. Plattformen wie Instagram, Facebook und Pinterest führten Funktionen ein, die es Benutzern ermöglichten, Produkte direkt in sozialen Apps zu entdecken und zu kaufen. Influencer-Marketing wurde zu einer wirkungsvollen Strategie für Unternehmen, die mit Content-Erstellern zusammenarbeiteten, um ihre Produkte zu bewerben. Auch nutzergenerierte Inhalte (Bewertungen, Fotos, Videos) in sozialen Medien beeinflussten zunehmend Kaufentscheidungen.

27.5 Die Entwicklung der Zahlungsmethoden:
Mehr Auswahl für Verbraucher

Die Online-Zahlungsmethoden haben sich im Jahrzehnt 2010–2020 erheblich diversifiziert. Zusätzlich zu herkömmlichen Kredit- und Debitkarten gab es eine zunehmende Verbreitung von digitalen Geldbörsen wie Apple Pay, Google Pay und PayPal, die mehr Sicherheit und Komfort boten. Es trat auch das Phänomen „ Jetzt kaufen, später bezahlen (BNPL) “ auf, das es Verbrauchern ermöglichte, Zahlungen aufzuschieben. Gegen Ende des Jahrzehnts sahen wir die ersten zaghaften Verwendungen von Kryptowährungen für Online-Einkäufe. Der Schwerpunkt lag weiterhin auf der Transaktionssicherheit und der Reduzierung von Reibungsverlusten im Zahlungsprozess.

27.6 Die Logistik- und Versandrevolution:
Der Wettlauf um schnelle Lieferung

Um der wachsenden Nachfrage des E-Commerce gerecht zu werden, erlebten die Sektoren Logistik und Versand eine echte Revolution. Unternehmen investierten in effizientere Lager, automatisierte Auftragsverwaltungssysteme und Partnerschaften mit Versandunternehmen, um schnellere Lieferzeiten und flexible Versandoptionen zu gewährleisten. Der Aufstieg von Unternehmen wie Amazon, die Wert auf schnellen und kostenlosen Versand legen (wie Amazon Prime), setzt neue Maßstäbe für die Geschwindigkeit und Bequemlichkeit von Lieferungen. Es wurden zunehmend innovative Lösungen für die Zustellung auf der letzten Meile entwickelt, beispielsweise der Einsatz von Drohnen und automatischen Schließfächern.

27.7 Omnichannel:
Ein nahtloses Einkaufserlebnis

Das Konzept von Omnichannel wurde für Einzelhändler von zentraler Bedeutung, die ihre Online- und Offline-Verkaufskanäle integrieren wollten, um den Verbrauchern ein nahtloses und einheitliches Einkaufserlebnis zu bieten.

Dazu gehörte die Möglichkeit, online einzukaufen und im Geschäft abzuholen, die Produktverfügbarkeit online zu prüfen, bevor man in ein Ladengeschäft geht, und Kundensupport über mehrere Kanäle (Online-Chat, Telefon, E-Mail, soziale Medien) zu erhalten. Ziel war es, Barrieren zwischen verschiedenen Kanälen zu beseitigen und ein einheitliches Kundenerlebnis zu bieten.

27.8 Grenzüberschreitender E-Commerce:
Die Welt als Shop

Der grenzüberschreitende E-Commerce wurde zunehmend zugänglich, sodass Verbraucher Produkte einfacher bei Einzelhändlern in anderen Ländern kaufen konnten. Globale E-Commerce-Plattformen erleichterten diesen Prozess und boten Übersetzungen, Unterstützung für mehrere Währungen und internationale Versandoptionen. Allerdings blieben Herausforderungen im Zusammenhang mit internationaler Logistik, Zöllen, lokalen Vorschriften und kulturellen Unterschieden bestehen.

27,9 Neue E-Commerce-Geschäftsmodelle:
Kontinuierliche Innovation

In diesem Jahrzehnt entstanden neue Geschäftsmodelle im E-Commerce:

  • Abonnementboxen: Abonnementdienste, die eine regelmäßige Lieferung von Produkten anboten, die auf der Grundlage der Interessen der Benutzer zusammengestellt wurden (z. B. Kosmetika, Lebensmittel, Kleidung).
  • Direct-to-Consumer (DTC)-Marken: Immer mehr Marken entscheiden sich dafür, direkt online an Verbraucher zu verkaufen, traditionelle Einzelhandelskanäle zu umgehen und direktere Beziehungen zu ihren Kunden aufzubauen.
  • Second-Hand- und Wiederverkaufsplattformen: Online-Plattformen für den Kauf und Verkauf gebrauchter Waren (wie Kleidung, Elektronik, Möbel) verzeichneten ein deutliches Wachstum, was ein stärkeres Augenmerk auf Nachhaltigkeit und bewussten Konsum widerspiegelt.

27.10 Neue Herausforderungen und Trends:
Die Zukunft des E-Commerce

Trotz des Wachstums stand der E-Commerce vor Herausforderungen wie zunehmendem Wettbewerb, der Notwendigkeit, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, und dem Retourenmanagement. Zu den aufkommenden Trends gehörten:

  • Nachhaltigkeit und E-Commerce: Die größere Aufmerksamkeit der Verbraucher für die Umweltauswirkungen des Online-Shoppings führte zu einer wachsenden Nachfrage nach nachhaltigeren Praktiken seitens der Einzelhändler (umweltfreundliche Verpackung, emissionsarmer Versand usw.).
  • ​​​​Extreme Personalisierung: Dank der Fortschritte in der künstlichen Intelligenz und Datenanalyse bestand die Aussicht, noch personalisiertere und vorausschauendere Online-Einkaufserlebnisse anzubieten.
  • Voice Commerce: Das Aufkommen von Sprachassistenten ebnete den Weg für „Voice Commerce“ oder die Möglichkeit, Einkäufe über Sprachbefehle zu tätigen, obwohl dieser Trend am Ende des Jahrzehnts noch in den Anfängen steckte.

Das Jahrzehnt 2010–2020 war eine Ära radikaler Veränderungen für den E-Commerce. Die Explosion des M-Commerce, die zentrale Bedeutung von Personalisierung und Benutzererfahrung, die Integration mit sozialen Medien und die Entwicklung von Logistik und Zahlungen haben dazu beigetragen, dass E-Commerce zu einem integralen Bestandteil des Lebens von Verbrauchern auf der ganzen Welt geworden ist. Nachhaltigkeits- und Datenschutzherausforderungen sowie aufkommende Trends wie Voice-Commerce deuteten auf eine sich entwickelnde Zukunft für die Branche hin.